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Gedanken und Gebet für die die Menschen in der Ukraine und hier
von Didier Sperling, Pfarrer
(Auszüge anlässlich der nationalen Gedenkzeit um 10 Uhr am 9. März in der Stadtkirche Aarburg)
Solche Gedanken und Beiträge sollten nie verfasst werden müssen!
Ich bin zutiefst traurig und schockiert, ja, und auch unglaublich wütend, dass eine kleine Menschengruppe noch heute mit diesem Irrsinn namens «Krieg» glaubt, die Konflikte zwischen Völkern lösen zu können. Sie bestimmen und zerstören das Leben von Millionen von Menschen und sitzen zuhause an der Wärme, im Schutz und mit randvollen Tellern vor dem Bauch.
Bei der Vorbereitung dieses Gebets- und Gedenkanlasses bin ich auf eine Geschichte gestossen, die mich, und wohl auch gleich Dich, liebe Leserin, lieber Leser, extrem herausfordern wird.
Es ist keine «christliche» Geschichte, sondern stammt aus der Jüdischen Kultur.
Es tut gut zu sehen, dass Juden aufgerufen sind, alles für einen Frieden zu geben.
Ganz im Sinne Jesu, wie wir es in unserem Glauben kennen:
Ein Vater kam mit seinem missratenen Sohn nicht mehr zurecht und bat einen Rabbi um Rat. Der gab eine verblüffende Antwort: «Liebe deinen Sohn noch mehr!» Als der Rabbi das erstaunte Gesicht des Vaters sah, fuhr er fort: «Es ist eigentlich wie immer im Leben: Wenn dir jemand Schwierigkeiten bereitet, dann liebe diesen Menschen stärker als zuvor! Nur so veränderst du ihn. Andernfalls entsteht nämlich ein Riss in eurer Beziehung. Und durch diesen Riss versickert alles, was Gott dir schenkt, um zum anderen ein neues Verhältnis zu entwickeln. Schliesse den Riss zwischen euch!
Gedanken dazu:
Das ist, was wir eigentlich tun möchten
und Jesus uns dazu aufruft: Noch mehr lieben und den Riss schliessen.
Denn Jesus ist uns vorausgegangen.
Hat uns genau das vorgelebt.
Aus dieser Liebe heraus leben wir jeden Tag neu..
Dank dieser grossen Liebe und Hingabe Gottes zu uns.
Aber……
Ja, ein grosses Aber ist tief in uns verwurzelt.
Wir schaffen es nicht.
Und wollen es auch nicht, einen mordenden Machthaber noch mehr lieben.
Wir können es auch nicht.
Er ist zu weit weg.
Und unsere Liebe könnte ihn nicht erreichen.
Das überfordert unseren Glauben.
Aber kann es vielleicht unser Gott?
Ja, das wollen wir hoffen und dafür beten:
Dass Gott die Herzen dieser schrecklichen Despoten zerbricht,
unter der Last des Leides und der Schuld, das sie vielerorts verursachen,
und er Gedanken des Friedens in ihren verwirrten Geist fliessen lassen kann.
Und da ist all das Leid.
So viele Schreckliche, die Menschen in der Ukraine im Krieg und auf der Flucht erleben.
Jeden Morgen erwachen wir mit einer schweren Last auf unseren Herzen,
weil wir wissen: neues Leid, neue Not, neuer Tod wartet auf diese Menschen.
Gerade in diesem Augenblick,
in der kommenden Minute,
in der nächsten Stunde,
an diesem Tag,
heute
Morgen
Und wie lange noch?
Und am Abend ist unser Herz noch schwerer geworden.
Auch darum kommen wir zu Dir,
und bitten, dass Du uns Hilfst,
diese Ohnmacht zu bekämpfen.
Denn dort in der Ukraine sind die Menschen,
die das alles erleiden, erleben müssen,
die trauern und sich auf der Flucht befinden,
weil sie alles verloren haben.
Und vom Leben und den Menschen so sehr enttäuscht sind.
Denn, sie kannten vorher im Reich der Sowjetunion keine Freiheit,
sie kannten keine Demokratie!
Und doch, hatten sie sich auf den Weg gemacht
Und gemeinsam Freiheit, Frieden und Demokratie entwickelt und gelebt!
Darum:
dort sind so viele Menschen,
die alles dafür getan haben,
die nun nicht aufgeben, sich ihre erarbeitete Werte nicht stehlen und unterdrücken lassen wollen,
die ihr Leben geben für ihre und die Zukunft der ihren.
Es ist unglaublich.
Aber sie machen uns Mut.
Geben uns Zeichen der Hoffnung.
Dass wir Menschen an die Zukunft glauben.
Dass wir Menschen den Frieden verteidigen sollen.
Und so stehen sie zusammen.
Stellen sich unbewaffnet den Aggressoren,
den Soldaten und tödlichen Waffen entgegen
und in den Weg!
Sie schauen ihren Peinigern und Todesboten in die Augen!
So wollen wir heute uns mit unseren Waffen,
den Gebeten und Fürbitten für die Menschen und den Frieden hinstellen,
und nicht aufgeben
und nicht aufhören zu beten,
zu fürbitten,
zu glauben, hoffen und zu lieben.
Gebet:
Gott,
wie zerbrechlich unsere Sicherheiten sind,
wie gefährdet unsere Ordnungen,
das erleben wir in diesen Tagen.
Wer sieht uns mit unserer Hilflosigkeit und Angst?
Wütend und fassungslos erleben wir,‘
wie Machthaber die Freiheit und das Leben vieler Menschen gefährden.
Wie am Rand Europas ein furchtbarer Krieg begonnen wurde.
‚Was geschieht als Nächstes?
‚Welchen Informationen können wir trauen?
Was können wir tun, das helfen oder etwas bewegen könnte?
Sieh du die Not.
Sieh unsere Angst.
Wie so viele suchen wir Zuflucht bei dir und Schutz,
innere Ruhe und einen Grund für unsere Hoffnung.
Wir bringen dir unsere Sorgen.
Wir bitten dich für die, die um Leib und Leben fürchten,
für die, die trauern müssen,
weil sie ihre Lieben getötet wurden,
und für die, die sich auch angesichts von Gewalt und Krieg
beharrlich für friedliche Lösungen einsetzen.
Sei Du, unser starker Gott, bei ihnen, tröste sie, gib ihnen Hoffnung und Kraft
Sei Du, unser starker Gott, bei uns, tröste uns, gib uns Hoffnung und Kraft.
AMEN
